Ein Yogi aus dem
Westen von
A. Ballabene
Zumeist wird Yoga
entweder exotisch verbrämt oder als Sekte abgestempelt.
Echter, geistiger Yoga lässt sich jedoch durchaus mit
unserer abendländischen Mentalität und Lebensweise
verbinden. Uns Abendländern kann er das Leben mit neuen
Erfahrungen bereichern, welche nicht von der schalen
Vergänglichkeit üblicher Unterhaltung gekennzeichnet sind.
Die Autobiographie
berichtet uns vom Weg eines Suchers, der seinen Guru,
seine geistige Heimat gefunden und ein Yogi geworden ist.
... "Das wäre zur
Beherrschung der Gedanken. Das ist kein Hobby, das ist ein
Krieg. Ich glaube, niemand lernt es so oft zu verlieren
und trotzdem nach außen eine wohlgemute Miene zu zeigen,
wie ein Yogi.
Als zweites auf der
Wunschliste steht die Beherrschung der Gefühle. Da geht es
im inneren Programm weniger um die schlechten, sondern
mehr -um die guten. Das klingt sehr positiv, ja geradezu
edel gehoben, es baut einen regelrecht auf. Das kann man
sich leisten, denn wenn man eine gute Herzensregung hat,
ist alles Schlechte gleichzeitig verschwunden. Solches
habe ich immer festgestellt und aufgehört, das Schlechte,
Niedere in mir zu betrachten; nur manchmal schau ich
darauf hin, im Sinne einer kleinen Bestandsaufnahme und
damit ich nicht übers Ohr gehauen werden. Schließlich hat
ja jeder Mensch ein Training im Selbstbeschwindeln.
Braucht aber niemand zu glauben, daß ich mich in der
Beschauung meiner edlen Aspekte bade, nein, soweit kommt
es gar nicht. Entweder ich vergesse ganz auf meine
Selbstdisziplin, dann gibt es weder dies noch das oder
ich, versuche gut und liebevoll zu sein. Da ist das Ich
fast ganz weg, da gibt es nur ein Gemeinsam, ein bißchen
Freude und Glück.
Wenn ich schon beim
Wünschen bin, dann komme ich gleich ins Träumen. ja, ich
möchte immerwährend Liebe in mir tragen und speziell Liebe
zur Gottesmutter. Sie ist für mich Mutter und Beschützerin
allen Lebens. Und vergeßt nicht, ich bin ja ein Yogi, da
sehe ich das etwas anders. Mutter des Lebens heißt für
mich, daß sie selbst es ist, die als Kind weint, als alte
Frau die Tauben füttert. Sie ist es, die aus uns heraus
liebt und die leidet, wenn Unrecht getan wird. Sie ist die
innerste Seele aller Menschen, das was uns allen Leben
gibt. Und wenn ich in Frieden mit der Welt bin, wenn mein
Herz warm ist von Liebe und ich ganz still bin, dann höre
ich sie sprechen zu mir und wie sie an allem Anteil nimmt.
Sie ist dann auch glücklich, wenn nach langer Einsamkeit
sie jemand hört, mit ihr spricht; das macht mich erst
recht froh. Wenn du es selbst versuchen willst, dann sage
ich dir, wie du hinhören mußt: ihre Stimme ist ganz fein,
nichts für Lärm gewöhnte, stumpfe Ohren, ganz fein, wie
die Stimme des Gewissens, vielleicht ist sie dies sogar.
Und noch eines, du kannst sie nur in deinem Herzen hören,
ganz tief drinnen in deinem Herzen.
Naturliebe
Durch etliche Jahre
meiner Kindheit lebte ich im Wald. Um in die Schule zu
gelangen, mußte ich als Sechsjähriger zusammen mit einem
Mädchen eine volle Stunde durch den Wald gehen. Selten
sind wir einem Menschen begegnet, dafür aber
Feuersalamandern, allerlei Schmetterlingen, seltsamen
Blumen, und überall lebten da unsichtbare Geister. Noch
als Siebzehnjähriger bin ich oft vor einer Blume
niedergekniet, habe ein jedes Äderchen bewundert, war
entzückt und unansprechbar. Aus Angst eine Blume zu
zertreten, bin ich fast auf Wegen gegangen und wehe,
jemand hätte nur eine seltene Art gepflückt, da konnte ich
recht ärgerlich werden. Ein bißchen übertrieben war ich
schon und nicht realistisch. Aber ich habe Ehrfurcht
erlernt und Liebe zum Kleinen. Diese Eigenschaften habe
ich nie verloren und damit habe ich meinen Einstand für
den Yoga mitgebracht, ich war dadurch ein geborener Yogi.
Alle die Leute, welche
ihren Hund streicheln, an Blumen riechen, gutmütig und
hilfsbereit sind, die sind in meinen Augen verborgene
Yogis. Diejenigen aber, die in strammer Yogi-Sitzhaltung
die Augen verdrehen, sonst aber zu den genießerischen
Bequemlingen und Egoisten gehören, sind es nicht. Auch
dann nicht, wenn sie schon viele Jahre meine Schüler sind
und auch einige Einweihungen erhalten haben (vielleicht,
damit sie nicht aus Unzufriedenheit davonlaufen).
Vielleicht begreifen sie
es irgendeinmal und solange sie sich bemühen, gebe ich es
nicht auf.
Echte Liebe, das ist
Yoga. Wenn jemand bis zum Hals vollgefüllt ist mit
kirchlichen Dogmen, solche, über welche ich schon etliche
ablehnende Bemerkungen gemacht habe, und auf Grund dieser
seiner Überzeugung ganz der Nächstenhilfe und Liebe lebt,
dann kann es sehr leicht der Fall sein, daß er ein
bedeutend größerer Yogi ist als ich. Auch wenn er den
Begriff Yoga verabscheut. Im jenseits, wenn er dort einmal
ist, da richtet man nicht nach Namen und Zugehörigkeit zu
einer Doktrin, sondern beurteilt die Reinheit der Seele
und die Taten. Deshalb betrachte ich mich nicht als
Outsider der Gesellschaft, sondern Überall, wo ich einem
guten Menschen begegne, da treffe ich einen alten Freund
und ohne viel zu reden, teilen wir die Brüderlichkeit als
stilles Geheimnis.
Die Kerzenflamme
Obwohl mich so viele
Menschen umgeben, die alle
liebevoll und gut zu mir sind, bin ich oft einsam. Das
ist,
weil ich noch keine volle Gottesnähe erreicht habe,
seine Gegenwart manchmal nicht so intensiv fühle wie
ich möchte. Womöglich falle ich dann in Traurigkeit
und Depression. Dann hilft mir oft eine kleine, goldene
Kerzenflamme.
Ich entzünde es,
dieses lebendige goldene Licht, vor
dem Bildnis der Gottesmutter und mache
nichts, sondern betrachte nur die Flamme und dann das
Bild. Dabei kann eine geraume Zeit vergehen, vielleicht
eine Stunde oder mehr, ohne daß ich etwas tue - und
doch, es wird still in mir. Das Aufbegehren und
Verzweifeln weicht einer Stille und wieder kehrt der
Friede zurück. Alle Unzufriedenheiten über meinen
geringen seelischen Fortschritt, den ich eben noch
beklagt hatte, weicht einer Gottergebenheit. Ich weiß,
sage ich mir dann, daß ich nicht viel erreicht habe,
aber
es liegen noch viele Leben vor mir, vielleicht schaffe
ich es dann, und wenn es der Gottesmutter recht ist in
ihrer Geduld, dann will ich zufrieden sein und warten
können.
Goldene Kerzenflamme,
dein Licht hat schon oft meine
Seele erhellt."
Vorwort von
Wladimier Lindenberg:
Endlich, in all den Stapeln von
Yoga-Lehrbüchern und Yoga-Lebensregeln, ein Buch eines
Yogi, Swami Vayuananda, über Yoga und Yogis, über Weise
und über Möchtegern-Yogis und Maskenträger, Theater für
sich selbst und Theater für andere, Selbstbespiegelung.
Der Autor, ein wirklich ernsthafter Yogi, den das Leben
vor der Yogalehre in harte Askese genommen hat, beschreibt
sich selbst kritisch und mit feinem Humor.
Ich habe lange auf ein solches
Buch gewartet und möchte es gerne jedem, der sich auf den
Yogapfad begibt, dem ernsthaft Suchenden, und jenen
vielen, die sich an der orangefarbenen Maskerade, an
öffentlicher Zurschaustellung von Sitzhaltungen, an
rasierten Schädeln mit oder ohne Schopf berauschen, vor
die Augen ihrer Seele halten. Man lernt aus diesem Buch
mehr als aus allem anderen, was wirklich Yoga ist. Es ist
quasi eine Entmythologisierung des Yoga, eine Entkleidung
von altem Flitter, von Räucherstäbchen und
mystifizierendem Brimborium. Aber was dann bleibt, das ist
dann wirklich die Quintessenz des Yoga. Dieses Buch wird
seinen Weg gehen und wird heilsam sein.
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